Vom Fischer und seiner Frau - Meer geht immer
FIGURENTHEATER MIT MUSIK - Nach dem Märchen der Gebrüder Grimm
Svantje, die Nichte des berühmten Fischerpaares, das vor Zeiten durch einen Zauberfisch zu viel Reichtum gekommen ist und am Ende doch wieder in seinem kleinen Häuschen am Meer lebte, begibt sich auf die Reise ihrer Vorfahren. Auf ihrem Weg begegnet sie dem rätselhaften Butt, der die Wünsche der Menschen erfüllen kann, schlüpft in die Rollen der armen Fischerin, der Königin, der Päpstin und durchläuft alle Stationen auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit. Das berühmte Märchen neu erzählt mit schönen Liedern und der ewigen Frage danach, was uns zufrieden macht…
- Spiel und Musik
- Jeannette Luft
- Regie und Text
- Philip Stemann
- Ausstattung
- C.R. Müller
AB 4 JAHREN, DAUER: 40 MINUTEN
… Und das Bremer Puppentheater Mensch, Puppe (mit Jeanette Luft als Performerin und Philip Stemann, der Text und Regie verantwortet) findet solch einen neuen Zugriff. Zunächst einmal nimmt die Inszenierung eine heutige Perspektive ein. Luft erzählt „Die Fischerin“ aus der Sicht von Svantje: Die ist die Nichte des Fischers aus dem Märchen, hat aber das Fischerhandwerk mittlerweile an den Nagel gehängt – die internationalen Fischereikonzerne hätten das Meer längst untereinander aufgeteilt, berichtet sie beiläufig. Mit einem Wagen, halb Foodtruck, halb Thespiskarren, den sie aus den Resten eines Bootes zusammengebaut hat (Ausstattung: C.R. Müller), zieht sie den Strand auf und ab und sammelt, was die Wohlstandsgesellschaft übriggelassen hat: Plastikmüll, eine Pfandflasche, eine Flasche, die sich verbasteln lässt, ein bisschen Bernstein. Und einen Puppenkopf, den sich mittels eines angeschwemmten Shirts zu einer Handpuppe vervollständigt. Fertig ist die Figurenbühne aus dem Geist des Objekttheaters … Im Grunde ist „Die Fischerin – Meer geht immer“ ein Stück, das den Umweltschutzklassiker „Die Grenzen des Wachstums“ in 40 Minuten für ein Publikum ab vier Jahren erfahrbar macht: Wenn wir immer nur mehr von allem wollen, dann geht unsere Welt den Bach runter (und der Untertitel „Meer geht immer“ spielt durchaus originell mit dieser Aussage). Interessant ist daran, dass das so auch schon bei Runge steht: Mit jedem Wunsch, den sich die Frau vom Butt erfüllen lässt, wird das Meer trüber, stinkender, lebensfeindlicher. Wenn man es genau nimmt, dann ist „Der Fischer und seine Frau“ doch kein so reaktionärer Stoff, wie gedacht. Man muss ihn nur richtig lesen.
Falk Schreiber, Deutsches Forum für Figurentheater- und Puppenspielkunst, 20.05.2023
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